Beispiel TP-KJP-Erstantrag: Bericht an den Gutachter (Jugendliche, tiefenpsychologisch)
Vollständiger fiktiver Beispielbericht an den Gutachter nach PTV-3 für einen TP-KJP-Erstantrag bei depressiver Episode im Jugendalter. Mit psychodynamischer Formulierung, Neurosendisposition, Bezugspersonenarbeit und detaillierter Analyse.
Fiktiver Beispielbericht
Dieser fiktive Beispielbericht zeigt einen vollständigen Erstantrag auf Langzeittherapie (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Kinder und Jugendliche) nach PTV-3 Gliederung. Im Unterschied zum VT-KJP-Bericht enthält er eine psychodynamische Formulierung mit Neurosendisposition, Beschreibung des unbewussten Konflikts und der Abwehrmechanismen. Im Unterschied zum TP-Erwachsenenbericht enthält er eine Entwicklungsanamnese mit Eigen- und Fremdanamnese sowie ein explizites Kontingent für die begleitende Behandlung der Bezugspersonen.
Fallübersicht
Diagnosen: F41.2 Angst und depressive Störung, gemischt (G), auf dem Boden einer unsicher-dependenten Neurosenstruktur
Patientin: Weiblich, 15 Jahre, Realschülerin (9. Klasse)
Besonderheiten: Chronischer elterlicher Loyalitätskonflikt nach Trennung, Parentifizierung, depressive Dekompensation bei Reaktualisierung von Verlustängsten
Kernargument: Die Symptomatik ist Ausdruck einer langjährigen Überforderung im elterlichen Spannungsfeld — Anpassungsbereitschaft unter Verzicht auf eigene Bedürfnisse führt zur depressiven Verarbeitung nicht äußerbarer Enttäuschungswut
Im Anschluss an den Bericht finden Sie eine detaillierte Analyse, in der wir die Besonderheiten des TP-KJP-Berichts erläutern — insbesondere die Verbindung von adoleszenztypischer Entwicklungsdynamik und psychodynamischer Konfliktformulierung.
Der vollständige Bericht
1. Relevante soziodemografische Daten
15-jährige Patientin, besucht die 9. Klasse einer Realschule. Lebt bei der Mutter (+38, Verwaltungsangestellte) und deren neuem Partner (+41, Polizeibeamter) sowie einer Halbschwester (2 Jahre). Ein jüngerer Bruder (12 Jahre) lebt ebenfalls im Haushalt. Der leibliche Vater (+40, Schichtleiter) wohnt seit der Trennung vor vier Jahren in einer Nachbarstadt. Die Patientin besucht ihn alle zwei Wochen am Wochenende.
2. Symptomatik und psychischer Befund
Die Patientin wird von ihrer Mutter vorgestellt, nachdem sie sich in der Schule der Vertrauenslehrerin anvertraut habe, „nicht mehr leben zu wollen". Im Erstgespräch berichtet die Patientin, sie fühle sich seit mehreren Monaten niedergeschlagen, erschöpft und „leer". Sie könne sich schlecht konzentrieren, ihre schulischen Leistungen hätten deutlich nachgelassen. Sie ziehe sich von Freundinnen zurück, könne sich „zu nichts aufraffen" und grübele viel. Morgens fühle sie sich am schlechtesten, manchmal könne sie sich nicht überwinden, zur Schule zu gehen. Sie mache sich selbst Vorwürfe, werte sich ab. Körperlich beklagt sie häufige Kopfschmerzen und innere Unruhe. Suizidgedanken seien aufgetreten, ohne konkrete Handlungsplanung; aktuell könne sie sich klar distanzieren.
Die Mutter ergänzt, ihre Tochter sei „wie ausgewechselt" — früher fröhlich und anpassungsfähig, jetzt oft gereizt, weinerlich und abweisend. Besonders nach Besuchen beim Vater sei sie „tagelang durch den Wind". Der Vater habe in den letzten Monaten wiederholt kurzfristig Besuchswochenenden abgesagt, was die Patientin sehr belaste, obwohl sie dies kaum äußere.
Psychischer Befund: Die Patientin ist eine altersgerecht entwickelte, äußerlich unauffällig gekleidete Jugendliche. Im Kontakt zunächst zurückhaltend und vorsichtig, im Verlauf der Probatorik zunehmend öffnungsfähig. Im Beisein der Mutter äußert sie sich einsilbig, allein zeigt sie sich deutlich zugänglicher. Affektiv niedergestimmt, Antrieb reduziert, emotionale Schwingungsfähigkeit erhalten. Im inhaltlichen Denken Grübeln über familiäre Situation und Selbstvorwürfe. Keine Hinweise auf Wahnerleben, Sinnestäuschungen oder Störungen des Ich-Erlebens. Konzentration herabgesetzt. Keine Suizidalität zum Zeitpunkt der Antragstellung, Patientin absprachefähig.
Übertragung und Gegenübertragung: Bei positiver Spontanübertragung gelingt es der Patientin zunehmend, sich auf das therapeutische Beziehungsangebot einzulassen. In der Gegenübertragung entstehen wohlwollend-stützende Impulse, aber auch das Wahrnehmen einer unter der Angepasstheit verborgenen Bedürftigkeit und eines Bedürfnisses, endlich gesehen und nicht instrumentalisiert zu werden. Dominierende Abwehrmechanismen sind Verdrängung, Affektisolierung sowie Wendung gegen das Selbst.
3. Somatischer Befund
Keine bisherigen ambulanten Psychotherapien. 2024 eine Vorstellung in der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz nach der suizidalen Äußerung in der Schule, dort Empfehlung zur ambulanten Psychotherapie. Keine Medikation. Somatisch keine Auffälligkeiten laut Konsiliarbericht. Kein Substanzkonsum.
4. Behandlungsrelevante Angaben zur Lebensgeschichte, zur Krankheitsanamnese und zur Psychodynamik
Die Patientin sei als erstes Kind ihrer damals 23-jährigen Mutter und ihres 25-jährigen Vaters geboren worden. Die Schwangerschaft sei ohne Komplikationen verlaufen, die Geburt spontan. Frühkindliche Entwicklung regelrecht. Die Eltern seien zum Zeitpunkt der Geburt bereits in einer angespannten Beziehung gewesen — rückblickend beschreibt die Mutter „ständige Streitereien, die aber nie offen ausgetragen" worden seien. Der Vater habe viel gearbeitet und sei wenig präsent gewesen. Mit drei Jahren sei der Bruder geboren worden, was die Patientin zunächst gut angenommen habe.
Im Grundschulalter sei die Patientin ein „pflegeleichtes Kind" gewesen: leistungsstark, beliebt, „unkompliziert". Die Mutter habe sich häufig bei ihr „ausgesprochen", was diese als besondere Nähe erlebt habe. Zugleich habe die Patientin früh die Rolle übernommen, den jüngeren Bruder nach der Schule zu betreuen und „zu Hause für Ruhe zu sorgen". Der Vater sei in dieser Zeit emotional zunehmend unzugänglich gewesen und habe auf die Leistungen der Tochter mit wenig Resonanz reagiert. Etwa ab dem 8. Lebensjahr hätten sich die Konflikte der Eltern verschärft; die Patientin habe wiederholt Streit mitbekommen und sich „unsichtbar" gemacht.
Die Trennung der Eltern sei erfolgt, als die Patientin 11 Jahre alt war. Sie habe zunächst beim Vater leben wollen, sich aber „nicht getraut, das auszusprechen", weil sie gespürt habe, dass die Mutter sie brauche. Schuldgefühle gegenüber beiden Elternteilen — „Wenn ich beim einen bin, verrate ich den anderen." In der Folgezeit regelmäßige Besuche beim Vater, die die Patientin als „schön, aber auch belastend" beschreibt, weil der Vater sich abwertend über die Mutter äußere und sie „auf seine Seite ziehen" wolle. Die Mutter wiederum reagiere bei Berichten über den Vater verletzt. Die Patientin habe gelernt, „niemandem alles zu erzählen".
Der neue Partner der Mutter sei vor zwei Jahren eingezogen. Die Patientin beschreibt ihn als „okay, aber es ist nicht meins". Die Geburt der Halbschwester habe sie zunächst gefreut, doch erlebe sie zunehmend, dass sich „alles um die Kleine dreht". Vom Vater fühle sie sich seit dessen beruflicher Umorientierung zunehmend vernachlässigt — er sage Termine kurzfristig ab, was sie zunächst entschuldige, innerlich aber als Kränkung erlebe.
Psychodynamik: Es ist zu vermuten, dass die Patientin bereits in eine von Spannungen geprägte Familienatmosphäre hineingeboren wurde, in der eine unausgesprochene elterliche Konfliktdynamik vorherrschte. Die Mutter, selbst in der Ehebeziehung emotional unbefriedigend gehalten, wandte sich frühzeitig der Tochter als partnerschaftlichem Gegenüber zu (Parentifizierung). Die Patientin übernahm so die Rolle eines Selbstobjekts für die Mutter und konnte eigene Abhängigkeits- und Versorgungsbedürfnisse nur eingeschränkt äußern, um die fragile familiäre Balance nicht zu gefährden.
Vom Vater erhielt sie trotz inniger Sehnsucht nach Anerkennung nicht die erhoffte empathische Zuwendung. Stattdessen erlebte sie ein emotional desinteressiertes Objekt, das durch berufliche Abwesenheit gekennzeichnet war. Eine angemessene Triangulierung konnte vor diesem Hintergrund nicht gelingen — die Patientin blieb in einer engen Bindung an die Mutter, deren Bedürfnisse sie vorrangig bediente, während eigene Autonomieimpulse mit Schuldgefühlen besetzt blieben.
Die Trennung der Eltern stellte für die Patientin einen massiven Einbruch dar, der tiefverankerte Objektverlustängste aktivierte. Im sich zuspitzenden elterlichen Konfliktfeld wurde sie zum Spielball widerstreitender Loyalitätsansprüche. Die Anpassungsbereitschaft und der Verzicht auf eigene Positionierung — unbewusst motiviert durch die Angst, bei Parteinahme das jeweils andere Objekt zu verlieren — wurden zur vorherrschenden Bewältigungsstrategie. Die aus den wiederholten Enttäuschungen und der Instrumentalisierung resultierende Wut konnte nicht gegen die Eltern gerichtet werden (Objekterhalt), sondern musste im Sinne der Wendung gegen das eigene Selbst depressiv verarbeitet werden.
Die aktuelle Dekompensation lässt sich als Reaktualisierung dieser Dynamik verstehen: Die Geburt der Halbschwester und die zunehmende Unzuverlässigkeit des Vaters drohen, den letzten Rest an narzisstischer Zufuhr zu entziehen. Die Patientin erlebt sich als „nicht wichtig genug" — ein Gefühl, das die frühkindliche Kränkung wiederbelebt. Zugleich steigen mit der Adoleszenz die Anforderungen an Individuation und Selbstpositionierung, denen sie aufgrund ihrer unsicheren Bindungsbasis und der nicht gelösten Loyalitätskonflikte nicht gewachsen ist.
Unbewusster Konflikt: Abhängigkeit versus Autonomie im passiven Modus (nach OPD): Die Patientin verharrt in einer Position der Anpassung und Unterordnung unter die elterlichen Bedürfnisse, um Bindung zu sichern. Autonome Impulse (eigene Meinung äußern, sich positionieren, Ärger zeigen) sind mit der Angst vor Objektverlust verbunden und werden gehemmt. Die nicht äußerbare Enttäuschungswut findet in der depressiven Symptomatik (Selbstentwertung, Antriebsverlust, Suizidgedanken) ihren Ausdruck.
5. Diagnose zum Zeitpunkt der Antragstellung
F41.2 Angst und depressive Störung, gemischt (G), auf dem Boden einer unsicher-dependenten Neurosenstruktur mit depressiven Anteilen. Konflikte um Abhängigkeit und Autonomie sowie Selbstwertproblematik im passiven Verarbeitungsmodus. Strukturniveau: mäßig integriert, mit Einschränkungen in der Affektdifferenzierung, insbesondere bei aggressiven Affekten, sowie in der Fähigkeit zur Selbst-Objekt-Differenzierung.
Differentialdiagnostisch wurde eine depressive Episode (F32.1) erwogen. Die enge Verknüpfung der depressiven Symptomatik mit ängstlichen Kognitionen (Verlustängste, Zukunftssorgen) und die situative Modulation der Symptome sprechen für die gemischte Diagnose. Eine Anpassungsstörung (F43.2) wurde ebenfalls geprüft, reicht jedoch nicht aus, um die chronische Natur der zugrunde liegenden Konfliktkonstellation und die strukturelle Vulnerabilität zu erklären.
6. Behandlungsplan und Prognose
Beantragt werden 70 Stunden tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie im Einzelsetting, wöchentliche Frequenz, zuzüglich des Stundenkontingents für die begleitende Behandlung der Bezugspersonen im Regelverhältnis 1:4.
Behandlungsplan: In der Behandlung wird es zunächst darum gehen, der Patientin eine stabile therapeutische Beziehung zur Verfügung zu stellen, in der sie sich als Jugendliche mit eigenen Bedürfnissen, Wünschen und auch aversiven Impulsen angenommen erleben kann. Es gilt, ihr einen Raum zu bieten, in dem sie nicht für die Gefühle anderer zuständig sein muss.
In einem ersten Schritt soll die Patientin ihre Verlustängste besser wahrnehmen und im Zusammenhang mit den Schuldgefühlen als Ursache ihrer Anpassungsbereitschaft unter Vernachlässigung eigener Bedürfnisse verstehen können. Sie soll in ihren autonomen Impulsen gestärkt werden, um sich von den Konflikten der Eltern innerlich besser abgrenzen zu können. Die abgewehrten Gefühle der Kränkung und Wut — insbesondere gegenüber beiden Elternteilen — sollen der Bearbeitung zugänglich gemacht werden, sodass es ihr möglich wird, diese weniger depressiv zu verarbeiten und weniger gegen das eigene Selbst zu richten.
In der therapeutischen Beziehung wird die Patientin empathisch gespiegelt und auch in ihren unangepassten, wütenden und bedürftigen Selbstanteilen akzeptiert, wodurch korrigierende Beziehungserfahrungen möglich werden. Der Aufbau eines stabileren Selbstwertgefühls, das nicht ausschließlich auf der Bestätigung durch Anpassung beruht, ist ein zentrales Behandlungsziel.
Bezugspersonenarbeit: In den begleitenden Elterngesprächen soll beiden Elternteilen ein Verständnis für die Loyalitätskonflikte und die innerpsychische Not ihrer Tochter vermittelt werden. Die Mutter soll für die Parentifizierungsdynamik sensibilisiert werden — dafür, dass sie ihre Tochter unbewusst als emotionale Stütze nutzt. Der Vater soll für seine Bedeutung innerhalb der Entwicklung seiner Tochter sensibilisiert werden, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen seiner Unzuverlässigkeit auf ihr Selbstwerterleben. Beide Elternteile sollen befähigt werden, ihre Tochter aus dem Loyalitätskonflikt zu entlassen und ihr zu signalisieren, dass sie zu beiden Eltern eine eigenständige Beziehung pflegen darf.
Prognose: Die Patientin zeigt hohen Leidensdruck und konnte sich in der Probatorik zunehmend auf das therapeutische Beziehungsangebot einlassen. Sie verfügt über eine erhaltene emotionale Schwingungsfähigkeit und altersgerechte kognitive Ressourcen. Ihre soziale Einbindung (Freundinnen, schulische Anbindung) ist zwar aktuell eingeschränkt, grundsätzlich aber vorhanden. Als prognostisch günstig bewerte ich zudem die Bereitschaft beider Elternteile zur Mitarbeit. Ein Risikofaktor besteht in der fortgesetzten elterlichen Konfliktkonstellation, die auch während der Therapie als äußerer Stressor fortwirken wird. Insgesamt gehe ich von einer ausreichend günstigen Prognose aus.
Analyse: Besonderheiten des TP-KJP-Berichts
Im Folgenden erläutern wir zentrale Qualitätsmerkmale dieses Berichts und die Besonderheiten, die sich aus der Kombination von tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ergeben.
Psychodynamik bei Adoleszenten: Entwicklungsaufgabe und Konflikt
Bei Jugendlichen steht die psychodynamische Formulierung vor einer besonderen Herausforderung: Die Symptomatik muss sowohl vor dem Hintergrund der frühkindlichen Beziehungserfahrungen als auch im Kontext der aktuell anstehenden Entwicklungsaufgabe (Individuation, Ablösung vom Elternhaus) verstanden werden. Im Beispiel wird deutlich, wie die adoleszente Anforderung an Selbstpositionierung mit der lebensgeschichtlich gewachsenen Anpassungsbereitschaft kollidiert — erst diese Verschränkung von Vergangenheit und aktueller Entwicklungsphase erzeugt die Symptombildung.
Entwicklungsaufgabe benennen
Der rote Faden: Vom Loyalitätskonflikt zur Depression
Die Konsistenz des Berichts zeigt sich in der durchgängigen Argumentation vom Loyalitätskonflikt zur depressiven Symptomatik:
- Biografie: Angespannte Familienatmosphäre, Parentifizierung, fehlende Triangulierung
- Neurosendisposition: Unsicher-dependent, Anpassung als Bindungssicherung
- Aktueller Auslöser: Unzuverlässigkeit des Vaters + Geburt der Halbschwester reaktualisieren Verlustängste
- Konfliktdynamik: Autonomie vs. Abhängigkeit (passiv): Anpassung, um Bindung nicht zu gefährden
- Symptombildung: Nicht äußerbare Wut wird gegen das Selbst gewendet → Depression
- Behandlungsplan: Raum für eigene Bedürfnisse schaffen, Wut der Bearbeitung zugänglich machen
Neurosendisposition im KJP-Bericht
Auch im KJP-Bericht wird eine Neurosendisposition formuliert — hier als „unsicher-dependent mit depressiven Anteilen". Bei Kindern und Jugendlichen ist zu bedenken, dass die Persönlichkeitsstruktur noch in Entwicklung ist. Die Neurosendisposition beschreibt daher weniger eine fixierte Struktur als vielmehr die Richtung, in die sich die Persönlichkeitsentwicklung unter den gegebenen Bedingungen bewegt. Der Gutachter erwartet gleichwohl eine Einordnung, die über die kategoriale ICD-10-Diagnose hinausgeht und den psychodynamischen Kern des Falls erfasst.
Übertragung und Gegenübertragung bei Jugendlichen
Im Beispiel wird die Gegenübertragung knapp, aber präzise benannt: „wohlwollend-stützende Impulse" und das Wahrnehmen einer „unter der Angepasstheit verborgenen Bedürftigkeit". Die Therapeutin signalisiert damit, dass sie die Übertragungsdynamik antizipiert — die Patientin wird sich voraussichtlich auch in der Therapie zunächst anpassen und eigene Bedürfnisse zurückstellen. Diese Antizipation fließt unmittelbar in den Behandlungsplan ein: Der Raum, „nicht für die Gefühle anderer zuständig sein zu müssen", adressiert genau diese Dynamik.
Bezugspersonenarbeit: Beide Eltern einbeziehen
Bei Jugendlichen mit Loyalitätskonflikten nach Trennung der Eltern ist die Einbeziehung beider Elternteile in die Bezugspersonenarbeit fachlich geboten — auch wenn dies organisatorisch anspruchsvoll sein kann. Der Bericht benennt für jeden Elternteil spezifische Ziele, die sich unmittelbar aus der Psychodynamik ableiten: Für die Mutter die Sensibilisierung für die Parentifizierungsdynamik, für den Vater die Bedeutung seiner Verlässlichkeit. Beide sollen die Tochter aus dem Loyalitätskonflikt entlassen — ein Ziel, das direkt an der Ursache der Symptomatik ansetzt.
Bezugspersonenziele aus der Psychodynamik ableiten
Stundenkontingent und Frequenz
Im KJP-Bereich werden in der Regel 70 Stunden für die Langzeittherapie beantragt (statt 60 wie bei Erwachsenen), zuzüglich der Bezugspersonenstunden im Regelverhältnis 1:4. Die wöchentliche Frequenz wird angegeben. Eine Begründung der Langzeittherapie ergibt sich im Beispiel aus der chronischen Natur des elterlichen Konflikts, der Tiefe der Bindungsproblematik und der Notwendigkeit, die begleitende Elternarbeit ausreichend intensiv zu gestalten.
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